01.01.2007

Was wären unsere Städte ohne große öffentliche Parkanlagen? Spontan fallen einem für wohl jede größere Stadt gelungene Beispiele ein, die oft sogar als Attraktion in den Reiseführern vermerkt sind. Das belegt, dass Parks als Werke der Gartenkunst anerkannt werden, die umso attraktiver sind, je mehr sie akzeptiert werden von den Bewohnern der Stadt.

Englischer Garten MünchenÜber die Nutzer werden die Grünanlagen Teil der Stadt. Es wäre falsch, sähe man Parks als antiurbanen Gegenentwurf zur gebauten Stadt, als Relikt oder Statthalter der Natur, was auch immer damit gemeint sein kann, der freien Landschaft. In den immens wachsenden Großstädten dieser Welt wird der Weg immer weiter, hinaus aus der Stadt. Der Ausflug ins Grüne frisst Zeit, Geld und Energie. Glücklich schätzen können sich jene, die ein schattiges Picknick-Plätzchen, eine Jogging-Strecke, einen entspannenden Ort für die morgendlichen Tai Chi-Übungen und ein Teichufer für einen kontemplativen Spaziergang nicht allzu weit von der Wohnung entfernt finden.

Wenn es die Hitliste der besten Stadtparks noch nicht gibt, dann sollte jemand diese aufstellen. Der Kriterienkatalog für die Bewertung der Qualität, die ja weit über die von Landschaftsarchitekten im Vordergrund gesehene Gestaltung reicht, würde die Bedeutung von Parks verdeutlichen. Da Parks nicht vom Himmel fallen, sondern nach politischen Entscheidungen geplant oder initiiert werden, brauchen sie eine starke Lobby. Wer viele Wählerstimmen wittert und überzeugt ist von seiner Sache, der macht sich als Bürgermeister stark für einen Park, obwohl der zunächst Kosten verursacht und als Pflegefall stetige Zuneigung braucht.

City Park in TokyoFrische Luft zum Atmen und sauberes Trinkwasser werden in vielen Großstädten zum knappen Gut. Dies sicherzustellen, müsste im internationalen Kontext oberste Priorität haben. Bereits heute sieht man in vielen Städten die Sonne und den Himmel über der Smogglocke nicht mehr. Da können auch Parks und Grünzonen nicht wesentlich abhelfen, sie bieten sich dann an für kleine Fluchten aus dem Alltag. Gelebt und gearbeitet wird aber in der Stadt. Diese wandelt sich heute rascher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Es liegt an den Politikern und Planern, die Städte wirklich lebenswert zu machen. Dazu bedarf es weiser Voraussicht, die Wahlperioden um ein Vielfaches überdauert.

In den hoch aufschiessenden Städten ist die Möglichkeit, an einem Ort den Blick über eine weite offene Fläche schweifen zu lassen, Gold wert. Noch wichtiger ist die Chance der unkontrollierten sozialen Interaktion, der Kommunikation vor allem. Dazu braucht es öffentliche Anlagen. Wo man dem Bürger mit immer mehr Kontrolle begegnet, misstraut man ihm. Stadträume werden zunehmend privatisiert und kommerzialisiert, der Zugang kontrolliert. Kaum ein Stadtplatz oder Bahnhof, an dem wir nicht von Videokameras erfasst werden. Der Begriff Freiraum ist wirklich wörtlich zu nehmen. Dafür einzustehen lohnt sich. Freier Zugang und freies Handeln im Park ist eine recht junge Errungenschaft, aber längst noch nicht in allen Regionen dieser Welt.

 
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